Liebesbriefe
März 2008
Liebe Freunde der Italienischen Oper,
liebe Mitglieder der Familie,
es gibt nicht wenige Leute in diesem Land, die bescheißen das Finanzamt.
Die Schwarzarbeit blüht.
Gelder werden ins Ausland geschafft.
Großkonzerne rechnen sich arm.
Geringverdiener subventionieren finnische Telefonriesen.
Währenddessen werden lebenswichtige öffentliche Institutionen verscherbelt
und privaten Gewinnmachern anvertraut:
Die Trinkwasser-Qualität sinkt,
Stromnetze kollabieren,
ganze Stadtteile werden zu Ghettos,
Bildung wird zunehmend eine Einkommensfrage,
soziale Netze werden gelöchert
und was uns gestern das Gammelfleisch war,
ist uns heute Liechtenstein
und wird morgen irgendein anderer Scheiß sein,
über den wir den Kopf schütteln.
Das einzige was bleibt, ist der seit Jahren sehr beliebte und tief verinnerlichte Slogan
“Die da oben machen ja sowieso, was sie wollen!”
Rürup-Kommission…
Riester-Rente…
Hartz 4…
Die meisten Namen dieser unzähligen ungefragten Heilsbringer finden sich mittlerweile auf den Fahndungsplakaten des BKA wieder.
Das geht auf’n Sack.
Ihnen wahrscheinlich genauso wie mir!
Aber wenn Sie mitmachen, dann hört das jetzt auf.
Denn nach “Hartz IV” und “Agenda 2010″ kommt jetzt
“Ehnert 80/20″.
Keine Panik:
Ich bin nicht im Auftrag der Bunderegierung unterwegs.
Ich kriege dafür kein Geld.
Ich besuche keine Bordelle.
Und ich war noch nie in Liechtenstein.
Nein, diesmal wird wirklich alles gut:
Denn “Ehnert 80/20″ ist die Reformierung deutschen Steuerrechts, das Ende der Nörgel-Kultur!
Und entgegen aller anderen Steuerrechts-Paragraphen absolut gesamtschüler-leicht zu handhaben:
Die hinter “Ehnert 80/20″ stehende Idee ist folgende:
Das Steueraufkommen von Bund und Ländern belief sich im Jahr 2007 auf 493,8 Milliarden Euro.
Was mit diesen Steuereinnahmen geschieht, entscheiden die Bundes- und Länderparlamente in den von ihnen verabschiedeten Haushalten:
- Welcher Großkonzern bekommt welche Subventionen?
- Welche Sozialdienstleistungen werden gestrichen?
- Welcher Atomrakftwerkbau wird gefördert?
- Welches Kriegsgerät wird modernisiert?
- Welche Prostituierte wird zum Koks holen geschickt?
Kurz:
Welche Prioritäten setzt der Staat?
Das steht da alles drin in den Haushalten.
Könnten Sie nachlesen, wenn Sie wollten.
Haben Sie aber wahrscheinlich nie gemacht,
weil “die da oben, machen ja sowieso, was sie wollen.”
Jetzt stellen Sie sich aber bitte einmal vor, Bund und Länder könnten ab sofort nur noch
über 80% der von uns Steuerzahlern geleisteten Abgaben frei verfügen,
die verbleibenden 20% würden von jedem Steuerzahler und damit auch von
Ihnen ganz persönlich eindeutig bestimmten Zwecken zugeordnet werden.
Sie würden also ab sofort ganz individuell entscheiden, für was der Staat IHR Geld ausgibt.
Die Steuerlast in diesem neuen System wäre zwar gleich hoch wie im alten System
(Sie würden also nicht mehr oder weniger zahlen als bisher),
aber jeder Bürger hätte dadurch endlich wieder das berechtigte Gefühl,
am Gedeih oder Verderb unseres Landes beteiligt zu sein:
Seien Sie deshalb doch bitte so nett und drucken Sie das angehängte
pdf-Formular “Ehnert 80/20″ aus und schicken Sie es ausgefüllt per Post
An das
Bundesministerium der Finanzen
z.Hd. Herrn Peer Steinbrück
Wilhelmstraße 97
10117 Berlin
oder per Fax an die Nummer:
03018 / 682 44 20
Oder schneiden Sie einfach den hier angefügten Brief an Peer Steinbrück aus und schicken Sie ihn an folgende beiden E-Mail-Adressen:
buergerreferat@bmf.bund.de
peer.steinbrueck@spd.de
Fragen Sie nicht, was Ihr Land für Sie tun kann,
sondern was Sie für Ihr Land tun können!
In großer Dankbarkeit
Ihr Michael “JFK” Ehnert
Sehr geehrter Herr Minister Steinbrück,
ich bin steuerzahlender Bürger der Bundesrepublik Deutschland und damit - wie Sie sicher wissen - Ihr unmittelbar Vorgesetzter.
In dieser Funktion ergeht heute folgende Weisung an Sie:
Bitte verwenden Sie ab sofort nur noch 80% der von mir zu zahlenden Steuersumme gemäß des vom Bundestag verabschiedeten Haushaltsplans; die verbleibenden 20% jedoch gemäß der beigefügten Auflistung.
Ich habe dieses Formular auch einigen anderen Steuerzahlern zukommen lassen, weil ich glaube, dass sich unser Land in vielerlei Hinsicht zum Positiven verändern wird, wenn man den Bürgern direkten, basisdemokratischen Einfluss auf die Verwendung ihrer Steuergelder gewährt
Deshalb schlage ich folgende Regelung vor:
Um die Funktionsfähigkeit des Staates zu gewährleisten, erlaube ich Ihnen, 80% der von mir zu zahlenden Steuer weiterhin zweckungebunden einzuziehen. Mit dem Verteilungsschlüssel für die restlichen 20% möchte ich jedoch direkten Einfluss nehmen auf die Gestaltung der Bundesrepublik Deutschland.
Ich möchte mitentscheiden, für welche Dinge in diesem Land Geld ausgegeben wird.
Um das in Zukunft in voller staatsbürgerlicher Verantwortung tun zu können, möchte ich Sie bitten, mir und allen anderen Steuerpflichtigen zum Jahresende jeweils eine 16-seitigen Broschüre zukommen zu lassen, in der jedes Ministerium auf einer Seite kurz und knapp skizziert, was es mit dem ihm zugewiesenen Geld machen möchte.
Mir ist bewusst, dass sich die von mir zu zahlende Steuersumme damit nicht verändert, aber ich verspreche mir durch diese steuerrechtliche Neuerung einen immensen Zuwachs an Demokratiebewusstsein in Deutschland, was ganz sicher auch in Ihrem Interesse ist.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Bevölkerung durch das Prinzip der “individualisierten staatlichen Investitionen” wieder deutlich mehr für Politik interessieren würde.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die politisch Verantwortlichen dieses Landes bürgerorientierter arbeiten, wenn Sie nicht mehr nur alle 5 Jahre im Wahlkampf mit inhaltsleeren Parolen um Stimmen werben, sondern alljährlich Rechenschaft ablegen müssten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass durch diese (an den individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Visionen der Bürger orientierte) neue Steuerrechtsverordnung eine völlig neue politische Streitkultur entsteht.
Und ich bin der festen Überzeugung, dass durch diese Maßnahme immer weniger Gelder illegal ins Ausland fließen werden.
Denn der Slogan „ICH BIN DEUTSCHLAND“ wäre nicht mehr länger nur eine müde, von Werbeagenturen erfundene Phrase, sondern eine alltäglich erfahrbare Tatsache.
Ich bin mir bewusst, dass es für diesen basisdemokratischen Steuer-Verteilungs-Schlüssel vorerst noch keine gesetzliche Grundlage gibt, hoffe aber sehr, dass Sie das Formular „Ehnert 80/20“ baldmöglichst zu einem Bestandteil der deutschen Steuergesetzgebung machen.
Mit freundlichen Grüßen
Name:
Adresse:
Steuernummer:
Ich möchte, dass 20% der von mir gezahlten Steuersumme
wie folgt den unten stehenden Ministerien zugewiesen wird:
(zu verteilen sind 20 Prozentpunkte in beliebiger Aufteilung;
z.B.: 0 – 0 – 0 – 0 – 0 – 0 – 1 – 0 – 2 – 2 – 2 – 5 – 5 – 2 – 1)
1) Außenministerium %
2) Innenministerium %
3) Justizministerium %
4) Finanzministerium %
5) Wirtschaftsministerium %
6) Arbeitsministerium %
7) Landwirtschaftsministerium %
8) Verteidigungsministerium %
9) Familienministerium %
10) Gesundheitsministerium %
11) Verkehrsministerium %
12) Umweltministerium %
13) Bildungsministerium %
14) Entwicklungsministerium %
15) Bundeskanzleramt %
bzw. die ihm zugeordneten
Beauftragten für Kultur,
Beauftragten für Migration,
Beauftragten für Nachrichtendienste,
Beauftragten für Bürokratieabbau und
Beauftragten für Stasi-Unterlagen
Gesamt: 20 %
Mit freundlichen Grüßen, Ihr(e) Steuerzahler(in)
Download Ehnerts Steuerformular

